Getreidefrei: was dahintersteckt — ohne Heilsversprechen
„Getreidefrei“ ist eines der bekanntesten Schlagworte auf Futterverpackungen. Doch der Begriff sagt nur, was nicht drin ist — nicht, ob ein Futter gut zusammengesetzt ist. Wir schauen nüchtern hin: was dahintersteckt, was stattdessen im Sack landet und wie du das selbst nachliest.
Was „getreidefrei“ bedeutet – und was nicht
Getreidefrei heißt zunächst nur: Im Futter stecken keine Getreidearten wie Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Dinkel, Mais oder Reis. Mehr sagt der Begriff nicht aus. Er ist keine geschützte Qualitätsstufe und kein amtliches Siegel, sondern eine Angabe darüber, was fehlt. Ob ein Futter durchdacht zusammengesetzt ist, entscheidet sich woanders: an der vollständigen Zutatenliste, an den analytischen Bestandteilen und daran, ob es zu deinem Tier passt. Ein getreidefreies Futter kann sorgfältig gemacht sein – ein Futter mit Getreide genauso. Der Aufdruck allein verrät dir davon nichts.
Getreidefrei heißt fast nie kohlenhydratfrei
Viele lesen „getreidefrei“ und denken an ein Futter ohne Kohlenhydrate. Das stimmt in den meisten Fällen nicht. Vor allem Trockenfutter braucht Stärke, damit die Kroketten bei der Herstellung überhaupt ihre Form halten. Fällt Getreide weg, übernehmen andere Zutaten diese Aufgabe: häufig Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen, Kichererbsen oder Tapioka. Das ist weder gut noch schlecht – es ist schlicht ein Austausch der Stärkequelle. Wer getreidefrei kauft, kauft also meist nicht weniger Kohlenhydrate, sondern andere. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Zusammensetzung mehr als der Blick auf den Werbeaufdruck.
Weder Warnsignal noch Gütesiegel
Rund um Getreide im Tierfutter kursieren viele Meinungen – von „Füllstoff“ bis „unverzichtbar“. Nüchtern betrachtet ist beides zu einfach. Getreide ist eine übliche, deklarationspflichtige Zutat wie jede andere; Art und Anteil stehen auf der Packung. Getreidefrei ist umgekehrt kein Beleg für höhere Qualität, sondern eine Rezepturentscheidung des Herstellers. Welche Variante zu deinem Hund oder deiner Katze passt, hängt vom Tier, eurem Alltag und deinen Vorlieben ab – eine pauschale Antwort gibt es nicht. Wenn du unsicher bist oder dein Tier gesundheitliche Probleme hat, sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.
So findest du heraus, was stattdessen drin ist
Die Zusammensetzung auf der Packung listet Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewicht. Stehen Erbsen, Kartoffeln oder Tapioka weit vorne, ist das die wichtigste Stärkequelle des Futters. Achte auch darauf, ob eine Zutat aufgeteilt genannt wird – etwa Erbsen, Erbsenprotein und Erbsenmehl getrennt –, denn zusammengerechnet kann ihr Anteil höher liegen, als die Reihenfolge vermuten lässt. Beim Wechsel auf ein neues Futter gilt die übliche Faustregel: langsam über mehrere Tage umstellen und dabei der Fütterungsempfehlung des Herstellers folgen. In unserem Korb findest du deshalb zu jedem Produkt die vollständige Zusammensetzung zum Nachlesen.
Häufige Fragen
Ist getreidefreies Futter besser für Hunde und Katzen?
Nicht automatisch. Getreidefrei sagt nur, dass keine Getreidearten enthalten sind – über die Qualität entscheidet die gesamte Zusammensetzung. Ein Futter mit Getreide kann genauso sorgfältig gemacht sein wie eines ohne.
Was ist in getreidefreiem Futter statt Getreide enthalten?
Meist andere stärkehaltige Zutaten wie Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen, Kichererbsen oder Tapioka. Welche es konkret sind, steht in der Zusammensetzung auf der Verpackung.
Ist getreidefreies Futter auch kohlenhydratfrei?
In der Regel nein. Besonders Trockenfutter enthält fast immer Stärke aus anderen Quellen, weil sie für die Herstellung der Kroketten gebraucht wird.
Woran erkenne ich die Kohlenhydratquelle im Futter?
An der Zutatenliste: Sie ist nach Gewicht absteigend sortiert. Stehen Zutaten wie Kartoffeln, Erbsen oder Reis weit vorne, sind sie die wichtigste Stärkequelle des Futters.
Stand: 2026-08-30. Dieser Text erklärt Kennzeichnung und übliche Fütterungspraxis — er ist keine tierärztliche Beratung. Wenn dein Tier gesundheitliche Probleme hat, sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.